Wenn du eine Frage stellst, sag warum

Wenn du eine Frage stellst, sag auch, warum du die Frage stellst!

So kanns gehen… Anekdote aus der Praxis.

Frage: „Sag mal, Gisela, machen wir heute pünktlich um 18 Uhr Schluss?“
Innere Gedanken bei mir / Interpretation: „Aha, sie möchte wissen, ob wir heute um 6 rauskommen. Mir ist Zeitverlässlichkeit wichtig, ich möchte meiner Verantwortung als Ausbilderin nachkommen.“
Antwort: „Ja, wir hören 15 Minuten vor sechs auf, dann bleibt noch Zeit für die Schlussbesprechung und Aufräumen.“
Reaktion: Große Augen und neue Eröffnung. „Ja weil…. ich würde gerne meinen Zug nehmen um viertel nach sechs und müsste dann um 10 vor sechs gehen. Wenn wir aber länger machen, auch kein Problem, dann fahre ich mit dem nächsten Zug um viertel nach sieben!“

Das nenne ich mal gründlich aneinander vorbeigeredet! Meine Gedanken darüber, was der Inhalt der Frage ist, waren falsch. Und so ergeht es uns täglich. Wir interpretieren in Bruchteilen von Sekunden und liegen damit öfter richtig und genauso oft eben nicht. Meist wird dann korrigiert, wie hier und die Kommunikation geht weiter. In funktionierenden Beziehungen passiert erstmal nichts, in Konflikten führt die fehlende Klarheit darüber, warum jemand diese oder jene Frage stellt, ins Niemandsland. Wir raten. Und wir treffen und verfehlen.

Und verbrauchen damit auch kostbare Zeit und Energie.

Na und, fragen Sie? Macht doch nichts, schließlich muss Kommunikation nicht in einem Satz fertig sein! Da gebe ich Ihnen recht. Das muss sie glücklicherweise nicht. Nur führt diese Frage, die vieles offen lässt, regelmäßig auf Nebenplätze und wir müssen uns mühsam zurück zum Kern vorkämpfen. Das meine ich mit unnötiger Energie und Themen mit Nebenschauplätzen. Wer Teambesprechungen kennt, dem ist das geläufig, in anderen Gesprächen nennen wir es „Aneinander vorbei geredet.“ Metasätze helfen hier mit Orientierung.

Also wie jetzt?

Mögliche Variante ihrer Frage: „Gisela, machen wir heute bis sechs oder kann es sein, dass es länger dauert? Wenn wir kein wichtiges Thema mehr haben, möchte ich um kurz vor sechs gehen, um meinen Zug zu bekommen.“

Jetzt wäre mir der Hintergrund der Frage klar gewesen und ich hätte sagen können: „Ja das passt, aufräumen können wir mit den anderen und den restlichen Themeninhalt erzählen wir dir morgen früh.“ Oder: „Ich möchte noch ein Rollenspiel anbieten und die Auswertung dauert etwas länger. Kannst du den nächsten Zug nehmen, dann haben wir miteinander genug Zeit?“

Danach gehts ins Verhandeln… Wer hat welches Interesse? Wie sehen die Lösungen aus? Meist ist es nicht mehr nötig, weil sich allein durch den kleinen Zusatz der Frageerklärung die meisten Lösungen ergeben und Konflikte erst gar nicht entstehen können.

Kommentieren Sie bitte.

  • Kennen Sie das? Wie ist das bei Ihnen?
  • Wie gehen Sie mit Fragen um?
  • Wissen Sie, warum Sie manche Frage stellen? Ja? Der andere auch?

Warum ich Ihnen diese Frage stelle? Na, weil ich in den Dialog mit Ihnen eintreten möchte und freue mich über Rückmeldungen.

Bis nächste Woche mit dem nächsten Metasatz.

Grundlage jeder Kommunikation ist ein Vertrag.

 

 

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2 Kommentare

  • M. Krämer

    Ich kenne das nur zu gut wenn ich mit meinen Kollegen rede und diese mir eine Frage stellen.

    Es ist manchmal recht mühsam sich mit seinen Kollegen zu Unterhalten da sie sich schon sehr lange in diesem Beruf befinden und damit meist meinen alles zu wissen, kennst du das?

    Aber ich mache genau den selben Fehler.
    Klar man sollte sich nie entgegen den anderen Stellen den jeder Mensch hat seine eigene Meinung und Vorstellung davon was richtig und was falsch ist, das auf einen Nenner zu bringen ist immer wieder eine Herausforderung der ich mich gern immer wieder stelle, so lernt man seinen gegenüber kennen.

    Manchmal finde ich recht doof was der/die Person macht, aber wenn man sich selber reflektiert merkt man das man die selben Fehler auch schon mal gemacht hat und geht mit dem gegenüber besser um, als hätte man das nicht getan.

    Der Blog ist großartig ich werde öfter jetzt hier zu etwas schreiben was mich interessiert (also fast alles)

    Antworten
    • Vielen Dank für diese weitsichtigen Worte. Ich denke, wenn das so gemacht wird, dass wir anderen Menschen zubilligen, dass man selbst die (gleichen) Fehler auch macht, wird alles viel viel einfacher. Ich freue mich auf weitere Kommentare und Gedanken M.
      Gisela Krämer

      Antworten

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