Vertrag führt zum Vertragen, Vertragsarbeit II

Vertragsarbeit ist ein flexibles Konzept, in dem dynamisch der Auftrag und die Beziehung gestaltet wird. Beide Vertragspartner klären ihre Abmachungen und Erwartungen an den anderen und an die Sache.

Formulierungsvorschläge

Um gegenseitiges Verständnis zu erreichen, ist die Klärung des Ziels notwendig. Dazu ist Freiwilligkeit und Bereitschaft gefragt ebenso wie Kompetenz, Ehrlichkeit und Offenheit.

„Das ist mein Ziel, das möchte ich hier erreichen. Ich bin damit einverstanden, was wir hier tun.“

  • „Ich bin in dieser Runde bereit, aktiv mitzuarbeiten und werde meinen Teil zur Umsetzung beitragen.“
  • „Ich spreche hier für mich und habe die Kompetenz, das umzusetzen, was wir vereinbart haben.“ (Ich kann ja nichts abschließen für jemand anderen..)
  • „Ich weiß in diesem Fall nicht mehr weiter, ich brauche Hilfe.“

Das Gegenüber wird zum aktiven und kompetenten und mündigen Partner!

Damit auf beiden Seite klar wird, worum es wirklich geht, ist die Technik des Spiegelns unglaublich wichtig und hilfreich.

Spiegeln

Dabei geben Sie konstruktiv und bewertungsfrei das wieder, was der Gesprächspartner gesagt hat. Natürlich spielen Sie nicht Papagei und wiederholen fast wortwörtlich in der Art: „Sie haben gesagt….“. Sie interpretieren leicht den Sachinhalt und formulieren ggf. destruktive Kommunikation um. In jedem Fall stellen Sie beim Spiegeln gleichzeitig die Frage, ob Sie richtig verstanden haben, damit Ihr Gesorächspartner bestätigen oder korrigieren kann.

  • „Das Projekt wird viel zu teuer.“ → „Sie möchten das Projekt preiswerter realisieren?“

Sie sehen, dass nicht das Projekt als solches in Frage gestellt wird, sondern die Kosten.

  • „Die Arbeitsmenge ist nach Veränderung der Vorgaben in der geplanten Zeit nicht zu schaffen.“ → „Sie meinen, dass die Vorgaben nur erfolgreich umgesetzt werden können, wenn andere Faktoren angepasst werden?“

Auch hier wird im Spiegeln wieder interpretiert, Sie sitzen ja mit in der Besprechung, weil Sie Ahnung haben, also können Sie das, was Sie verstanden haben auch formulieren. Es kann nicht viel passieren, denn Ihr Gegenüber wird ihre Frage nach „Stimmt das?“ sicherlich beantworten.

  • „Das rechnet sich nicht.“ → „Sie finden, die Kalkulation wird für Sie nicht wirtschaftlich sein?“
  • „Das Einkaufsteam soll die Verzögerung jetzt allein tragen, nachdem xy viel zu spät geliefert hat?“ → „Ihnen ist wichtig, dass jeder die Verantwortung für seinen Bereich trägt?“
  • „Es ist zu viel Arbeit, die Wohnung sauberzuhalten.“ → „Du wünschst dir, dass die Hausarbeit leichter und schneller geht?“
  • „Sie müssten mal zu uns in die Praxis kommen.“ → Sie haben Bedenken, dass wir die Praxisaspekte nicht genügend berücksichtigen?“

Verdeckte Appelle und psychologische Spiele

Auch verdeckte Appelle und psychologische Spiele decken Sie damit auf und vermindern das Risiko, mitzuspielen. (Bei psychologischen Spielen bleiben alle Beteiligten mit negativen Gefühlen zurück.)

  • „Man müsste mal auf der Chefetage sagen, was hier los ist.“ → Sie möchten, dass Ihre Sicht auch auf Leitungsebene gehört wird?“

Damit vermeiden Sie, dass Sie in das Spiel einsteigen und entweder peinlich berührt schweigen oder gemeinsam auf den Chef schimpfen.

  • „Wie viel Nachlass können Sie mir geben, wenn ich innerhalb von xy zahle?“ → Sie möchten über die Modalitäten sprechen, damit der Vertrag zustande kommt?“

Nach dem Spiegeln kommt die weitere Vertragsarbeit in dem Sinne:

  • „Dann lassen Sie darüber sprechen.“
  • „Ich möchte am Anfang einer Teambesprechung erst die Themen sammeln, soweit sie nicht auf der Tagesordnung stehen und dann abstimmen, in welcher Reihenfolge wir sie bearbeiten. Sind Sie damit einverstanden?“

Jetzt wird kurz verhandelt und dann erst gearbeitet. Damit vermeidet man das häufige Problem-Lösungsdenken.

  • „Ich möchte, dass dein Zimmer heute aufgeräumt ist. Bist du damit einverstanden?“

Ziel klären

Das Ziel ist, dass am Abend das Zimmer aufgeräumt ist. Was genau bedeutet das? Gehört Putzen auch dazu oder was ist die Definition von Aufräumen?

Freiwilligkeit und Bereitschaft erfragen

Das ist die Frage nach dem Einverständnis. Wichtig hierbei ist die Bitte, die keine Forderung sein darf. Sonst gibt’s ja nichts zum Verhandeln, denn eine Forderung könnte nicht verhandelt werden und damit vertragsuntauglich.

Kompetenz beachten

Wenn jemand das Können nicht hat, nutzt die schönste Motivation nichts. Hat das Kind die Fähigkeit, das Zimmer „aufzuräumen“ im Sinne der Definition? Oder braucht es Hilfe und Unterstützung und sei es nur moralische?

Ehrlichkeit und Offenheit

Das ist nicht ganz so einfach, vor allem sich selbst gegenüber. Ich lade Sie ein, es zu tun, Sie werden feststellen, wie viel leichter die Vertragsarbeit wird. Was ist Ihnen wichtig daran, dass das Zimmer aufgeräumt wird und warum machen Sie es zum Beispiel nicht selbst? Sie haben ja gute Gründe dafür: Nicht ihr Raum, nicht ihre Verantwortung, nicht ihre Sachen…

Prüfen Sie bitte auch, ob es nicht in Wirklichkeit heimliche Erwartungen sind, die Sie noch nicht geklärt und offengelegt haben.

Ausgewählte Offenheit

Sie müssen -gerade im Arbeitsleben- Ihre Gefühle nicht auf Silbertablett vor sich hertragen. Aber eine ausgewählte Offenheit ist wichtig. Je näher Ihnen ein Mensch ist, desto größer muss die Offenheit sein, dann steht einer absolut gelungenen und zufriedenen Kommunikation nichts mehr im Wege. In diesem Sinne wünsche ich viel Freude und Erfolg.

Mögen Sie mir Ihre Beispiele geben, was Ihnen gelungen ist und was nicht so leicht? Ich freue mich darauf.

 

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