Ich zeig dir nur die weiße Spitze … Eisberg 2

Das Eisberg-Modell und Eisberge stehen für vielerlei Maßstäbe. Für den Unterschied zwischen Sichtbarem und Nichtsichtbarem, zwischen Kopf und Innenleben, zwischen Distanz und Nähe. Lesen Sie den zweiten Teil zum Thema.

Wir sind alle Eisberge

Ein Song von Andreas Bourani beschreibt recht eindrücklich:

„Ich zeig dir nur die weiße Spitze

Die gute Seite rein und klar

Der ganze Dreck, auf dem ich sitze,

ist für dein Auge unsichtbar“

Der Text berührt und zeigt deutlich auf, dass wir im übertragenen Sinne alle als Eisberge unterwegs sind. Wir sind wunderschön anzuschauen, unsere weniger guten Seiten werden von der Sonne nicht angestrahlt, sondern sind im leicht trüben Wasser verborgen. Das ist erst einmal eine normale Verhaltensweise, wir folgen dem Ansatz: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Und wenn der nähere Kontakt hergestellt ist, wird das Tiefere des anderen Menschen sichtbar. Der Begriff Dreck ist hier metaphorisch zu verstehen. Ein kluger Mann hat einmal gesagt: Man kann nicht aus jedem Dreck Gold zaubern. Ich bin aber sicher, dass wir durchaus Gold finden, wenn wir das Unsichtbare sichtbar werden lassen und einander begegnen. Wer sich nicht als ganzer Mensch zeigt, wird nicht als ganzer Mensch wahrgenommen. Daher hier die Ermutigung: Zeigen Sie sich, Sie werden positiv überrascht sein, über die Reaktion und über sich.

„Bin wie ein Eisberg, hart und unverletzbar
Ich treib alleine auf dem Meer
Nehm jede Welle ohne Mühe
Aber mein kaltes Herz schlägt schwer“

Allein

Ohne eine Angriffsfläche glauben wir uns stark und gehen unseren Weg sicher  – doch allein. Wir sind geübt darin mit uns klarzukommen. Haben unsere Mauer weiter gestärkt und ausgebaut vor sintflutartigen Regenfällen, Erdbeben oder Tsunamis, die uns erschüttern könnten. Doch tief In unserem Herzen wünschen wir uns oft nicht mehr allein zu sein. Vielleicht erinnern Sie sich an das Märchen „Die Schneekönigin“. Wunderschön, doch letztlich allein. Begegnungen sind es auch hier, was es ausmacht und dazu gehört manchmal auch ein Rumms, ein Zusammenstoß. Was Sie daraus machen ist der Unterschied.

„Und tief unterm Eis fühl ich mich so wie du
Ich steuer irgendwo da draußen auf die Lichter zu“

Licht und Schatten

Es fällt uns nur so verdammt schwer Gefühle zu zeigen, weil wir Angst haben, sie würden uns als Schwäche ausgelegt werden. Wer weiß schon sicher, was in dem anderen vorgeht? Die Angst ist so groß zurückgewiesen zu werden – dem Maß nicht zu genügen. Darum zeigen wir uns am liebsten im besten Licht, in dem unsere augenscheinlichen Vorzüge besonders strahlen. In einem Licht, in dem wir mit dem Schatten unserer Stärke spielen.

„Ich will glänzen
Ich will scheinen
Und ich tu als tät nichts weh
Würd dir gerne alles zeigen“

Mut zum Scheinen

Und es ist sicher kein Zufall, dass wir uns gegenseitig blenden. Wer will schon seine Tiefe zeigen? Die zarten, verletzlichen Seiten preisgeben – einfach so? Dazu fehlt der Mut. Nur wenn keiner mehr Mut hat, dann wirds einsam und krank. Was soll schon passieren? Machen Sie einmal einen kleinen Schritt, probieren Sie aus, was passiert, wenn Sie sich etwas öffnen. Was passiert, wenn Sie sagen: Ich habe Kopfweh, aber sonst alles gut. oder Ich bin müde, aber da. Zumindest weiß jetzt der andere, wo er dran ist und muss nichts auf sich beziehen.

„Vielleicht wird’s Morgen für mich regnen
Und irgendwann ergeb ich mich
Wenn wir uns je wieder begegnen
Dann zeig ich dir mein wahres ich“

Wahrheit ist ehrlich

Lieber setzen wir es aus – verschieben es auf später – als alles auf eine Karte zu setzen. Wie oft fordern wir das Schicksal heraus? Bleiben stumm in uns. Bis wir uns in einem „schwachen“ Moment endlich trauen gemeinsam auf Tauchgang zu gehen. Dann brauchen wir keine schönen Worte mehr – dann beginnt das gegenseitige „Verstehen“.

Wahrheit kann weh tun. Ja. Aber Wahrheit ist ehrlich. Das klingt prosaisch? Ja, auch wir sind inspiriert von diesem Text. Aber die Wahrheit ist, wir sind soziale Wesen. Manche mögen wir und andere nicht. Regen für den Eisberg? Warum nicht? Gehen Sie tanzen im Regen. Ohne den Eisklotz am Bein klappt`s bestimmt besser.

Wie Sie die Wahrheit formulieren ohne den anderen zu verletzen? Das ist die Kernfrage, die der Eisberg stellt. Den ersten entscheidenden Schritt haben Sie gemacht: Sie sind bereit, Ihre Wahrheit zu zeigen und mitzuteilen. Das Wie kann man üben.

Gerne sind wir dabei behilflich.

Was für Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?
Haben Sie noch andere Aspekte zum Eisberg?

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Gisela Krämer und Katja Jungmann www.pfeos.de

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