Erlebnisbericht Coaching-Ausbildung Modul 3

shutterstock_326598173 Coaching

In Modul III, der Halbzeit des theoretischen Teils der Coaching-Ausbildung, nimmt der praktische Teil mit verschiedenen Übungen und Coachings im Rahmen von Rollenspielen zu. Außerdem wird das theoretische Wissen vertieft und an bereits vorhandenes Wissen angeknüpft. Thematisch ist das Modul III in zwei große Blöcke unterteilt.

Den ersten Block bilden die Moderation im Coaching und das Verhandeln nach dem Harvard-Konzept. Der zweite Block umfasst die Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth C. Cohn.

Moderation und Verhandeln nach Harvard

Moderation im Coaching und Verhandeln werden gemeinsam im ersten Block behandelt, da Moderatoren häufig als neutrale Partei zu Verhandlungen hinzugezogen werden. Das Harvard-Konzept kann durch den Moderator vertreten werden. Durch die Herausarbeitung der Unterschiede zwischen einer Moderationsfunktion und einer Leiterfunktion bei Arbeitsgruppen, wird deutlich, dass sich die Moderationsmethode von der Rolle eines Leitenden unterscheidet.

Deshalb wird es schwerer für eine Leitung, wenn der Unterschied nicht klar ist

Doch in der Praxis verschwimmt diese Trennung häufig, wodurch der Arbeitsprozess erschwert oder gestört werden kann. Es ist also wichtig, sich die Unterschiede bewusst zu machen und die eigene Funktion (für sich) zu klären. In seiner Rolle sollte der Moderator der Gruppe also mitteilen, dass er inhaltlich unparteiisch ist und für den Prozess, sowie die Klärung von inhaltlichen Fragen verantwortlich ist, allerdings nicht für den Inhalt selbst. Dies obliegt grundsätzlich der Gruppe selbst. Der Moderator stellt deshalb die Gleichwertigkeit aller Beiträge sicher und gibt seine eigene Meinung nicht preis. Insgesamt obliegt dem Moderator somit die methodische Verantwortung für den Arbeitsprozess. Positionen in hierarchischer Hinsicht spielen während der Sitzung keine Rolle.

Moderation kann sowohl in der Mediation, als auch in der Arbeit mit anderen Gruppen eingesetzt werden. Die Prinzipien, die wichtig für die Moderationsmethode sind (Unparteilichkeit, Prozess-, jedoch nicht Inhaltsverantwortung, Klärung der Umgangsregeln etc.), werden dabei durch den Moderator kommuniziert und vertreten. Der Coach ist immer Moderator.

Das Harvard-Konzept

ist eine Methode, die sachgerechtes und konstruktives Verhandeln anstrebt. Um ein solches Verhandeln zu ermöglichen, sind nach dem Harvard-Konzept verschiedene Aspekte zu beachten. Dies setzt voraus, dass Menschen und Probleme voneinander getrennt behandelt werden. Genauer bedeutet das, dass bei Verhandlungen neben dem Verhandlungsgegenstand, immer auch die persönlichen Beziehungen eine Rolle spielen. Diese beiden Faktoren können leicht vermischt werden. Deshalb sind z.B. eine eindeutige Kommunikation oder die Beachtung vorrangiger Bedürfnisse wichtig. Dafür können beispielsweise aktives Zuhören, Feedback oder die Möglichkeit „Dampf abzulassen“ hilfreich sein. Zu diesem Aspekt des Konzepts kann folgendes Ziel formuliert werden: „Bestimmt in der Sache, freundlich zu den Menschen.“ Da die Identifikation mit einer Position zu verhärteten Fronten führen kann, ist es außerdem wichtig, sich bei Verhandlungen auf Interessen zu konzentrieren, statt über Positionen zu diskutieren.

Denn hinter allen Positionen verbergen sich Interessen, doch können Interessen meist in verschiedene Positionen zum Ausdruck kommen, sodass selbst bei gegensätzlichen Positionen gemeinsame Interessen aufgedeckt werden können. Dies führt zu der Notwendigkeit, die Interessen aller Verhandlungsbeteiligten herauszuarbeiten. Dabei gilt, bestimmt aufzutreten (im Sinne der eigenen Interessen) und dennoch flexibel zu bleiben (in Bezug auf die Interessen des Gegenübers). Des Weiteren geht im Harvard-Konzept darum, Entscheidungsmöglichkeiten zum Vorteil aller zu suchen, statt nach der „richtigen Lösung“.

Durch möglichst viele Optionen, im Sinne verschiedener Verhandlungsergebnisse, wird der Entscheidungsprozess erleichtert. In diesem Punkt geht das Konzept davon aus, dass eine sogenannte „beste Alternative“, die Verhandlungsmacht vergrößert. Da keine Verhandlungsmethode den Erfolg (z.B. Durchsetzung der eigenen Interessen) garantieren kann, sind Fragen gut, welche ist meine Beste Alternative, welche meine schlechteste, welche meine liebste, um die eigene Verhandlungsbasis zu erweitern. Mit dem Harvard-Konzept werden für beide Seiten befriedigende und gewinnbringende Lösungen angestrebt und Positionskompromisse vermieden, da über Interessen verhandelt wird.

Themenzentrierte Interaktion im Coaching

Den zweiten Block des dritten Moduls bildet die themenzentrierte Interaktion (TZI). Das Konzept soll „dem ursprünglich gesunden Menschen ein Leben ermöglichen, in dem er gesund bleiben kann“. Gesundheit bedeutet in diesem Fall nicht nur individuelles Wohlbefinden, sondern bezieht sich auch auf die politische Verantwortlichkeit in der Welt. Für diesen Ansatz ist das Symbol des gleichseitigen Dreiecks in einem Kreis bekannt. Dieses Symbol steht für die vier postulierten Faktoren des Modells der TZI. Die Eckpunkte des Dreiecks stehen für die Faktoren ICH, WIR, und ES; der Kreis spiegelt den GLOBE wieder.

Das ICH bezieht sich auf die Einzelperson und zeigt sich als die Summe der Persönlichkeit, als die Übereinstimmung von Werten, Zielen und Handlungen der Person, als den Weg der Selbstentwicklung, und in der Meinung über sich selbst, die einen entscheidenden Faktor für Gesundheit darstellt.

Das WIR steht für die zwischenmenschlichen Beziehungen, in welchen u.a. Kommunikationsverhalten, der Umgang mit Rollen und Funktionen, oder Konflikte eine Rolle spielen. Den dritten Faktor bilden Anliegen, Interessen, Lernaufgaben u.v.m, die Anlässe darstellen, durch die Personen miteinander in Beziehung treten.

Dieser Faktor wird als ES bezeichnet und kann seinen Anfang in jeder Ecke des Dreiecks haben. Auf diese drei Eckpunkte des Systems wirken verschiedene Faktoren von außen, die durch den Kreis dargestellt werden.

Dieser sogenannte GLOBE bildet den Rahmen und ist von den Eckpunkten wiederum dahingehend abhängig, als dass jeder Faktor einen eigenen GLOBE mit sich bringt. Hier spielen verschiedene Außeneinflüsse eine Rolle (z.B. politische oder wirtschaftliche Lage, gesellschaftliche Normen oder aktuelle Ereignisse).

Zusätzlich zu diesem Modell postuliert die TZI drei Axiome. Diese drei Axiome beziehen sich auf den Menschen als Individuum, auf die Wertschätzung gegenüber allem Lebendigen und auf freie Entscheidungen, die menschliches Wachstum ermöglichen. Aus diesen Axiomen lässt sich für die Coaching Arbeit ableiten, dass Menschen sich nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten entwickeln können. Daher spielt die Balance zwischen Können und Wollen, sowie die Beachtung der Grenzen eine entscheidende Rolle. Die TZI folgert aus ihren Axiomen zwei Postulate, die zum einen das Individuum zur Eigenverantwortung auffordern, und zum anderen Störungen im System als eine Realität anerkennen, die Respekt verdient und Vorrang hat. Der Umgang mit Störungen ist Voraussetzung für die Balance im System.

Britta Fuchs, Teilnehmerin Coaching-Ausbildung 2015

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *