Zitat: „Der Planet braucht keine „erfolgreichen Menschen“ mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten. Er braucht Menschen, die gut an in ihren Plätzen leben.
Er braucht Menschen mit Zivilcourage, bereit, sich dafür einzusetzen, um die Welt lebenswert und menschlich zu gestalten. Diese Qualitäten haben wenig mit der Art von Erfolg zu tun, wie er in unserer Kultur verbreitet ist.
Dalai Lama

Was ist damit gemeint, dass wir keine erfolgreichen Menschen mehr brauchen?

Ich habe schon länger vor, mich einmal mit diesen Worten des Dalai Lama auseinanderzusetzen und habe einiges darüber gelesen.

Heisst das, dass wir genug von Erfolg haben? Dass es jetzt an der Zeit ist für Menschen, sich mit anderen Themen auseinanderzusetzen, den Blick über den Kuchenrand zu wagen? Der Dalai Lama sagt ja eindeutig, dass es neue Fähigkeiten braucht, die ebenfalls als erfolgreich definiert sind, aber in unserer Kultur anders gesehen werden. Merkwürdig oder?

Was bedeutet für Sie erfolgreich? Wenn man Synonyme googelt, dann findet man „angesehen“ und „siegreich“ ebenso wie „wirksam“ und „nützlich“. Aha. Das sind breite Definitionen von erfolgreich. Wir wissen längst, unsere Leistungsgesellschaft stößt an ihre Grenzen, mehr Leistung kostet mehr Kraft und Energie. Die Produktivität und Effizienz, alles Kriterien für Erfolg, scheinen ausgereizt, zumindest bringt es weniger als 5 %, hier anzusetzen.

Machtvolle Netzwerke

Ich denke, es bringt wesentlich mehr, die Qualitäten der Menschen zu nutzen, die noch Wachstumspotential haben, weil unsere Leistungsfähigkeit unbestritten bereits das Netzwerk bildet. Das Netzwerk, in dem Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende (die Worte des Dalai Lama) sich wachsend entwickeln können. Dazu braucht es in der Tat Zivilcourage und die Bereitschaft, alles dafür zu tun, damit unsere Welt menschlich und damit lebenswert bleibt und wird. Wie groß oder klein „unsere“ Welt ist, spielt dabei keine Rolle. Wir haben die Macht, die wir brauchen. Wenn jeder in seinem Bereich, in seiner kleinen Welt das tut, was möglich ist, werden alle Handlungen und Ergebnisse sehr viel erfolgreicher sein, als allein. Der Stein, der ins Wasser geworfen wird…

Metapher „Die Welt tragen“

Hier passt eine Metapher hinein, die ich vor einiger Zeit geschrieben habe und ich freue mich, Ihre Meinung auch im Zusammenhang mit dem obigen Thema zu hören.

„Ich unterhielt mich mit einem Freund und er erzählte mir, dass er sich für seine Tochter etwas wünscht und für seinen Freund und dass er noch etwas für einen lieben anderen Menschen machen will und noch für einen…

Du kannst nicht die ganze Welt retten“, war mein Einwand. Was ich ihm sagen wollte, war, dass die Kraft eines Einzelnen nicht reicht, um andere wieder und wieder zu retten, Dinge für sie zu erledigen und Entscheidungen zu übernehmen. Ich bin der Ansicht, dass Menschen das durchaus selbst tun dürfen und jeder für sich entscheidet, was er tun oder lassen möchte. Wir können Hilfe anbieten, aber ohne Wunsch oder Erlaubnis eines anderen regeln wir das Leben des Anderen, obwohl er das vielleicht gar nicht will. Oder wie geht es Ihnen damit, wenn das jemand tut? Andere Baustelle…. Außerdem hatte ich Sorge, dass seine Kraft wirklich nicht reicht und er krank wird.

Ich kann es doch wenigstens versuchen“, war seine traurige und leicht verzweifelte Antwort. Da erzählte ich ihm diese Geschichte.

Stell dir vor, du stehst am Ufer eines großen Sees, du kannst das andere Ufer nicht erblicken, wohl aber links und rechts von dir ein gutes Stück weit. Du kannst dort am Ufer, die Menschen sehen, die du liebst und auch andere, denen du begegnest.

Du siehst auch etwas weiter weg Menschen, die du gut kennst und am anderen Ufer winkt dir jemand, du sollst helfen. Allen zugleich? Was kannst du tun? Dort ein bißchen… du schleppst einen riesigen Stein in die nächste Bucht, lässt ihn dort ins Wasser plumpsen, damit er die Flut eindämmt. Du brauchst den Stein noch woanders, also trägst du ihn fast wieder an seinen Ursprungsplatz zurück, wo du dieses Prachtexemplar gefunden hast. Dort wird er gebraucht, um eine Mauer zu errichten.

Schließlich erinnerst du dich an das Winken von der anderen Seite und entschließt dich, den Stein in ein Boot zu laden und hinüber zu rudern. In der Mitte des Sees angekommen, hörst du hinter dir wieder Rufe, auch dort braucht man dich. Was tun? Obwohl dein Boot fast kentert und du in das tiefe Wasser zu stürzen drohst, stemmst du den Stein über Bord. Er soll eine große Flutwelle auslösen und alle gleichzeitig unterstützen. Der Stein fällt, die Welle ist groß, wirklich riesig, deine ganze Kraft hast du hinein gelegt – aber sie erreicht die Ufer nicht. Er liegt jetzt still am Grunde des Sees.

Du könntest etwas anderes tun, was vielleicht mehr Wirkung zeigt. Ruder wieder an Land, suche dir eine geschützte Bucht, in der du dich wohlfühlst. Suche dir einen Platz, von wo aus du deine liebsten Lieben in Rufnähe hast, aber sie müssen dich nicht jeden Tag besuchen kommen. Dieser Ort ist kaum von Ebbe und Flut geprägt und gibt dir Ruhe und Sicherheit.

Sammel kleine flache Steine, viele wenn du magst und bitte deine Nachbarn, das gleiche zu tun.

Wirf mal einen probehalber flach über das Wasser. Siehst du, wie vergnügt er springt und dass jedesmal, wenn er auf der Oberfläche aufkommt neue Wellenkreise erzeugt? Manche davon laufen sogar ineinander und sind höher als allein.

Jetzt wirf mal zwei oder drei Steine schnell hintereinander. Du wirst feststellen, dass dadurch die Kraft mehr wird. Jeder neue Stein, jeder neue Krafteinsatz, gut dosiert, gut gezielt, gut gesetzt, verstärkt den davorgehenden – und für dich ist es gar kein Aufwand. Im Gegenteil, du hast sogar noch Zeit zwischen dem Werfen.

Vielleicht magst du deine Nachbarn einschalten. Es macht viel Freude, kleine flache Steine hüpfen und springen zu lassen und zu sehen, wie weit man damit kommt. Einen kleinen Bogen? Bitteschön. Schon lupft der Nächste um die Ecke und schaut, was du machst. Fragt er, ob er mitmachen darf?

Und schau dir das an, was passiert. Die Wellen um deine Steine vereinen sich mit den Wellen, die von nebenan kommen und diese wiederum mit den anderen. Du ahnst, dass du eine große Veränderung hervorrufen könntest, wenn ihr das wolltet. Jede Veränderung beginnt mit einem kleinen Stein, nicht mit einem großen. Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Der Mann, der den Berg abtrug, war derjenige, der den ersten Stein aufhob.“

Mein Freund saß lange da und dachte nach. Dann hellte sich sein Gesicht auf und erlächelte glücklich.“ Autorin: Gisela Krämer, urheberrechtlich geschützt

Noch einmal die Frage: Wo seht ihr den Zusammenhang zwischen der Metapher und den aufgeworfenen Fragen zum Thema Erfolg?

Nächste Woche

Es geht weiter in der Serie mit dem Thema Macht und Eskalation, mit Erklärungshilfen für Konflikte als auch ersten Maßnahmen.

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