Im zweiten Modul (Juni 2015) der Coaching-Ausbildung liegt der Schwerpunkt auf der Erarbeitung verschiedener Kommunikationsstile nach Schulz von Thun, sowie auf dem Einstieg in die Transaktionsanalyse (TA).

Schulz-von-Thun

Nach Schulz von Thun lassen sich acht verschiedene Kommunikationsstile unterscheiden, die mit bestimmten Persönlichkeitsanteilen verbunden sind. Dazu zählen der bedürftig-abhängige Stil, der helfende Stil, der selbst-lose Stil, der aggressiv-entwertende Stil, der sich beweisende Stil, der bestimmende-kontrollierende Stil, der sich distanzierende Stil und der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil.

4-Ohren-Modell als Basis für die Kommunikationsstile

Basierend auf seinem Vier-Ohren-Modell (1981) können diese Stile anhand ihrer Grundannahmen unterschieden werden. So handelt/ kommuniziert eine Person, die dem bedürftig-abhängigen Stil zuzuordnen wäre, aus der Annahme heraus, dass ihr Gegenüber groß und stark ist und als ihr Retter fungieren soll. Dies vermittelt sie über die Beziehungsebene in ihrer Kommunikation. Auf der Selbstoffenbarungsebene präsentiert sich dieser Stil als klein, schwach und hilflos und sendet Appelle, wie „Hilf mir! Tröste mich!“. Die Sachebene bleibt dabei meist unbesetzt, bzw. wird vernachlässigt. Für alle Kommunikationsstile lässt sich ein solches Verhaltensschema aufzeigen und aus diesem Entwicklungsmöglichkeiten erarbeiten.

Wertequadrat

Dabei kann das Wertequadrat eingesetzt werden. Dieses Quadrat besteht aus vier Feldern, die in Beziehung zu einander stehen. Der obere Bereich des Quadrats ist zwei Tugenden vorbehalten, wobei zunächst nur eine eingefügt wird. Im darunterliegenden Bereich befinden sich die entsprechenden Untugenden. Das Quadrat wird nun sukzessive ausgefüllt. Zunächst wird eine Tugend (1) eingetragen, die als Ressource erkannt wurde. Im Fall des bedürftig-abhängigen Stils ist das Kennen der eigenen Grenzen und Schwächen bereits gut ausgeprägt und kann als solche als Tugend eingetragen werden. Die korrespondierende Untugend (Untugend 1) zeigt sich im Verleugnen eigener Selbsthilfekräfte und der überbetonten Unsicherheit. Zu diesem Duo lässt sich nun ein Komplement (Tugend/Untugend 2) finden, das das Wertequadrat vervollständigt und die Entwicklungsrichtung aufzeigt. Als Gegenteil der Untugend, eigene Selbsthilfekräfte zu verleugnen, kann die Verleugnung der eignen Bedürftigkeit eingetragen werden. Sucht man hierzu die passende Tugend (2), ergibt sich die Entwicklungsrichtung für den bedürftig-abhängigen Stil. Wer seine Bedürftigkeit verleugnet, verfügt bereits über die Ressource der Autonomie und Verantwortung, ein Bereich, der beim Bedürftig-Abhängigen unzureichend ausgebildet scheint. Zusammenfassend bedeutet das, dass der Bedürftig-Abhängige sich in Richtung autonomer und verantwortungsvoller Kommunikation entwickeln kann, mit der Ressource, dass er seine eigenen Grenzen einzuschätzen weiß. Durch das Wertequadrat lässt sich für jeden der Kommunikationsstile nach Schulz von Thun eine Entwicklungsrichtung erarbeiten. Das Werte-Quadrat ist also eine Methode, die bereits vorhandene Ressourcen würdigt (Tugend 1) und durch die entsprechende Untugend (Untugend 1) eine mögliche Entwicklungsrichtung generiert (Tugend 2).

Transaktionsanalyse

Nach den Kommunikationsstilen nach Schulz von Thun folgte die Einführung in die Grundlagen der Transaktionsanalyse. Die Transaktionsanalyse ist eine Methode der humanistischen Psychologie, die grundlegend davon ausgeht, dass alle Menschen in Ordnung und von Grund auf gut sind. Dabei hat jeder die Fähigkeit zum Denken und die Möglichkeit über sein Schicksal selbst zu entscheiden und seine Entscheidungen zu ändern. Des Weiteren geht die TA davon aus, dass jeder Mensch aus drei verschiedenen Ich-Zuständen handeln kann. Bei diesem Erklärungsmodell wird zwischen dem Struktur- und dem Funktionsmodell unterschieden. Das Strukturmodell beschreibt, was der jeweilige Ich-Zustand enthält und das Funktionsmodell beschreibt dem entsprechend in welcher Weise sich die Ich-Zustände auswirken. Das Strukturmodell bildet mit dem Eltern-Ich, dem Erwachsenen-Ich und dem Kind-Ich die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen ab. Dennoch soll dieses Modell nicht als Diagnosewerkzeug für eine Charaktereinschätzung dienen.

Das Ziel der TA besteht vielmehr darin, die Persönlichkeitsanteile zu erkennen und dadurch den Menschen als Ganzes zu stärken, indem Verhaltensalternativen bewusst gemacht werden. Hierbei kann mit dem sogenannten Egogramm gearbeitet werden. Dieses Diagramm wird meist durch das Ausfüllen eines Fragebogens erstellt und kann als Arbeitsgrundlage im Coaching-Prozess dienen. Daher ist es sicher hilfreich, als angehender Coach, die eigenen Ich-Zustände zu betrachten und kennenzulernen, um sich diese im Coaching bewusst und zu Nutze machen zu können. Wichtig ist hier allerdings, den Fokus auf die Entwicklungsmöglichkeiten zu legen und eine Persönlichkeitsdiagnose zu vermeiden.

Praxis

Neben den theoretischen Inhalten bilden Praxisbeispiele eine wichtige Komponente der Ausbildung. Anhand dieser Beispiele werden verschiedene Phasen des Coachings (z.B. Vorgespräch in der ersten Phase) analysiert und im Rollenspiel praktisch erprobt. Dabei dienen unterschiedliche Fallbeispiele die Möglichkeit, bereits aktiv sowohl in die Rolle des Coachs, als auch des Coachees zu schlüpfen und erste Erfahrungen mit Arbeitstechniken und Methoden zu sammeln. Durch offenes Feedback in der Gruppe wird die persönliche Reflexion angeregt und unterstützt, und werden die Checklisten für den Ablauf eines Coachings praxisnah durchgearbeitet.

Britta Fuchs, Teilnehmerin Coachingausbildung 2015

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